Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling

9/10 ★

Die Geschichte ist einfach, weil es eigentlich kaum eine Geschichte ist sondern in sehr vielen Kapiteln eingeteilte kleine Geschichten sind. (Macht dieser Satz überhaupt Sinn?)

Marc-Uwe Klingt ist Küns – nein, Kleinkünstler und lebt in Berlin. Eines Tages klingelt bei ihm ein Känguru und bittet ihn um Pfanne, Milch, Mehl, Eier und bringt Marc-Uwe schließlich dazu, auch noch für die Füllung der Eierkuchen einkaufen zu gehen (“Aber nicht bei LIDL!”, schreit mir das Känguru noch hinterher.*)

Die beiden kommen sich im Laufe der paarundachtzig Geschichten immer näher und während das Känguru testet, ob Marc-Uwe auch den richtigen Musikgeschmack hat (“Mögen Sie Nirvana?” – “Die Band?” …. “Nein, das Jenseits. Natürlich die Band.”*) werden die Lachmuskeln auf das Brutalste gereizt.
Das ist dann der Moment, in dem man sich entscheiden muss: Lache ich jetzt lauthals in der Sbahn los oder versuche ich es zu unterdrücken, so dass man denkt ich hab Verstopfungen?

>Dabei prägt dieses Wunderwerk an Genialität Wörter wie “Tütensuppentotalitarismus” oder Ausrufe wie “Alles Hähnchen”! Am Besten bleibt aber noch die Devise “Lieber fünfmal nachgefragt, als einmal nachgedacht!”*. Dieser Roman glänzt mit Satire und politischer Witzigkeit (dass ich das je schreibe, erschien mir unmöglich!).

Das Känguru entpuppt sich als leidenschaftlicher Kommunist mit einer Vorliebe für Schnapspralinen. Es ist natürlich auch bei der “Jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung für eine gerechte Weltordnung, für Brot für alle und die Ächtung des sogenannten Musikfernsehen e.V.” und bringt mit seiner großen Klappe nicht nur einmal Marc-Uwe Kling in Schwierigkeiten. Seine Abneigung gegen Ikea fördert das Einkaufen von Teppichen nicht wirklich und bei McDonalds einen “Whopper” statt eines Hamburgers zu bestellen bringt die armen Bediensteten auf die Palme.

Marc-Uwe Kling merkt nach einiger Zeit, dass er die Schnapspralinen des Kängurus nicht ungestraft verstecken kann (er hatte es nur gut gemeint), denn kaum merkt es, dass seine Leibspeise fehlt, malträtiert es den Künstler mit “Pseudo-witzige-Wortverdrehungen”*, die er zutiefst hast.
“Du weißt, dass mir pseudo witzige Wortverdrehungen physische Schmerzen bereiten!”
– “Wie was zum Bleistift?”, fragt das Känguru*

In Kapitel 44 lernen wir Klings wunderbaren Psychater kennen, der kaum etwas anderes sagt als “ahaaaa” … und “dieses Känguruuuu” (genial vertont von Kling persönlich!). Denn er nimmt an, dass das Känguru nur ein Hirngespinst Marc-Uwes ist.
Die Reaktion, wenn er das Känguru endlich trifft ist superb. Marc-Uwe will eigentlich nur über die “latente Gewaltbereitschaft*” des Kängurus reden und das mit einem unparteiischen Schiedsrichter.
“Ist mir unklar, wie der unparteiisch sein soll, wenn du den bezahlst!”, sagt das Känguru*.

Kurz vor Schluss kommt auch noch ein neuer Nachbar ins Spiel – der Pinguin von gegenüber. DER Antagonist des Kängurus. Was es mit ihm auf sich hat, erfährt man im zweiten Teil der Reihe.

Hier ist alles noch ein wenig “ungegliederter”, denn die richtige “Handlung-Handlung” etabliert sich erst in Teil Zwei! Tatsächlich denke ich, dass es Allgemeinbildung ist, diese Meisterwerke zu kennen, denn man lernt dadurch Einiges und manche Sprüche wird man wohl mit ins Grab nehmen, so gut sind die. Kriegt von mir “nur” 9 Sterne, weil ich ja weiß, wie sehr es sich von Teil zu Teil steigert (dabei dachte ich nach dem ersten Teil ist das nicht mehr möglich!)

“Dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft”, sagte das Känguru.*

*alle mit einem Sternchen markierte Stellen sind Zitate aus den “Känguru-Chroniken” und deren Eigentum liegt nicht bei mir

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