Das Känguru Manifest #2 – Marc Uwe Kling

10/10 ★

Da sind wir, angekommen an dem Teil des Hörbuchs den wahrscheinlich kaum einer meiner Freunde mehr mit mir hören möchte, weil ich wie bei jedem Fluch der Karibik-Film mitsprechen kann. Das nennt man wahrscheinlich exzessiven Überkonsum, aber sicher bin ich mir nicht.

>Die Geschichte um Marc-Uwe Kling und das Känguru verdichtet sich, denn das Känguru konnte nun endlich beweisen, dass der Pinguin (erinnert ihr euch? Der neue Nachbar aus Teil Eins?) sein Antagonist ist. “Irgendetwas ist verdammt fischig an diesem falschen Vogel”, sagt das Känguru.*, denn ihm stinkt der neue Nachbar mit einem festen Job, seiner Pünktlichkeit und seiner kompletten Gegenteiligkeit (oh, ein Neologismus höhö) zum Känguru total.
Das hat zwar Marc-Uwes Agent erst festgestellt, nachdem er den beiden erklärt hatte, dass sich Vetrieb und Lektorat einig waren das Buch nicht “Hitler Terror Ficken” zu nennen, obwohl das ein recht Verkauf fördernder Titel sei. Er findet den Pinguin als Antagonisten nicht gut!
“Da können wir ja ‘nen Club aufmachen!”, sagt das Känguru.*

Wir treffen auch auf “Hertha”, die eine kleine Eckkneipe betreibt und die Menschen mit ihrer Weisheit beglückt. “Arbeiten macht Spaß aber 80 Stunden Spaß kann ich einfach nicht vertragen, wa?”, sagte Herta.* Während Marc-Uwe Kling dem eher ein wenig gequält gegenüber steht, hat das Känguru die Kunst perfektioniert Hertha dermaßen mit ihren eigenen Sprüchen zu bombardieren, dass sie schließlich das totale Argument auspackt: “Du denkst du bist hart, aber ich bin härter!”, sagt Hertha.*

Hier kommt die Storyline ein wenig in Fahrt, denn wir werden bei den “Buchpreisen der deutschen Ullstein-Buchverlage” auf Jörn Dwix treffen, dem Banker, der seinem Zwillingsbruder Jörg Dwix (Asylrichter, genannt Richter Schadenfroh (Ablehnungsrate: 100 %)) die Kampagne seiner Partei finanziert. Während sich das Känguru und Marc-Uwe daran erproben, wer am besten Leute beleidigen kann, ohne dass es diese merken, wird nun immer deutlicher, dass die Dwix-Brüder mit ihrer neuen Partei und der Kampagne für mehr Arbeit eine etwas andere politische Richtung anschlägt (das geht dann bis zur Ausweisung, wenn jemand nicht produktiv ist. Hardcore.)
Kein Wunder, dass ihm das Känguru bei der Weltansicht ans Bein pinkelt. Wortwörtlich.
Julia Müller (“la vache qui rit”, “Die Kuh, die lacht”) beeindruckt das Känguru und Marc-Uwe nicht nur mit ihren ausgefeilten Moderationsskills (“… und der Preis in der Kategorie Buch mit sprechenden Tier geht an … Marc-Dieter Kling!”*), sondern mit ihrer zitatwürdigen Lache. Ohne Witz, einmal gehört, wie Marc-Uwe Kling diese Moderatorin vertont, wird es der running gag.

Das Känguru stellt später Marc-Uwe die zwei türkischstämmigen Deutschen “Otto von” und “Friedrich Wilhelm” vor, während sie gegen eine Kundgebung von Dwix demonstrieren. “Unsere Eltern haben es ein bisschen übertrieben mit dem Integrationswillen”, sagt Friedrich Wilhelm.* Die beiden werden das Känguru und den Kleink… Künstler noch eine Weile begleiten.

Jetzt das fulminante Finale: Der Boxclub bzw. später das “Asoziale Netzwerk”, das das System Deutschlands mit ihren “Anti-Terror-Anschlägen” den Atem raubt. Jeder kann sich selbst einen Rang oder Titel geben, der aber keinerlei Bedeutung hat. Es gibt keine Hierarchie. (Das Känguru als “Commandante”, Marc-Uwe als “Herr Hauptmann” und noch mehr wunderliche Gestalten wie “Gott”, “Der Messias” oder auch “der Vorstandsvorsitzender”)
Während das Känguru die bürgerlichen Kategorie “meins” oder “deins”, “wichtig” oder “nicht wichtig” für absolut 20. Jahrhundert erklärt hat, offenbart es die wirklich wahre Kategorie des 21. Jahrhundert: WITZIG oder NICHT WITZIG!

Wie der Kampf gegen die “Mehr Arbeit”-Initiative und das “Amt für Produktivität” ausgeht, könnt ihr selbst … nachlesen oder anhören (ANHÖREN!!).

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Der Nachtzirkus – Erin Morgenstern

 3/5 ★

Willkommen in der Welt des Nachtzirkuses, wo der Zuschauer ein Geheimnis unter vielen wird und den Schauplatz eines jahrzehntelang andauernden Wettstreites bestaunen kann.
Das ist ein sehr schwieriges Buch, da ich mich noch immer nicht entscheiden konnte, ob es nur gut oder besser ist.

464 Seiten, Taschenbuch 9.99 €
                                                                               Zusammenfassung

Celia und Marco sind außergewöhnlich. Sie können etwas, das andere nur erahnen. Man nennt es Magie, aber eigentlich ist es irgendwie mehr und gleichzeitig auch weniger. Illusion bis zur Perfektion oder tatsächlich ein Wunder inmitten all der tristen Realität? Wer weiß das schon.
Celia und Marco spielen ein Spiel, denn ihre Lehrmeister haben gewettet, wer als Sieger daraus hervorgeht. Natürlich setzt Celias Vater auf seine Tochter und sein Gegner Alexander (er heißt nicht wirklich Alexander. Niemand weiß wie er heißt, aber im Buch nannte man ihn Alexander) setzt auf seinen Schüler Marco.
Weil ein genialer Mensch eine geniale Idee hatte und zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Menschen zu einem seiner Mitternachtsdinners eingeladen hat – entstand der Nachtzirkus.
Er hebt sich von den anderen ab, er ist da und im nächsten Moment schon wieder fort, niemand weiß, wo er als nächstes auftauchen wird. Unter den Artisten befinden sich die außergewöhnlichsten Gestalten und Celia und Marco ahnen damals noch nicht, dass dieser Zirkus der Austragungsort ihres Wettkampfes wird.
Denn niemand erklärt ihnen die Regeln, sie spielen einfach indem sie ein Wunder nach dem nächsten erfinden, die Konstruktionen der Zirkusgründer Leben einhauchen und den Zirkus zu der Magie schlechthin machen.
Aber es kommt wie es kommen musste – wie können zwei gegeneinander spielen, wenn sie sich rettungslos ineinander verliebt haben?

                                                             Meinung

Ich weiß, diese Zusammenfassung kann man allenfalls als unhilfreich beschreiben, aber genau so ist der Unterton dieses Buches. Man befindet sich natürlich in der Geschichte, aber bleibt immer außen vor.
Das ist einer der wenigen Sachen, die ich schwierig zu akzeptieren fand. Ich wollte mitfühlen, miterleben, stattdessen durfte ich nur zusehen. Es ist wie ein Märchen … nein, anders. Es ist wie einem Künstler dabei zuzusehen wie er ein großes Bild malt. Man sieht die Striche, die Kreise und Linien, sieht wie sich die Farben vermischen und zu einem Ganzen zusammenfügen, aber trotzdem kann man nicht ganz erfassen, was dieses Bild jetzt darstellen soll.
Ich mochte den Nachtzirkus mit seinen vielen unterschiedlichen Zelten und all die Räume, die Marco und Celia füreinander erschaffen haben, um zu beweisen, wer der bessere ist.
Allerdings gibt es einen Kritikpunkt. Man muss rund 200 Seiten darauf warten, dass die beiden mehr als nur ein paar Sätze miteinander wechseln, was ich sehr frustrierend finde. Allerdings bleibt das gemalte Bild in Erinnerung.

Ich bin fasziniert von der Idee die dahintersteckt, besser gesagt von der Vielfalt der hunderttausenden von Ideen, die sich zwischen den Seiten verstecken. Aber manchmal fühle ich mich an diese nordischen Krimis erinnert, wo nicht alles erklärt und vieles auf sich belassen wird – so ist dieses Buch. Es erklärt, aber man versteht es nicht, weil diese Welt irgendwie ihre eigenen Erklärungen hat.
Trotzdem würde ich es empfehlen zu lesen, um sich kurz eine Pause zu gönnen, denn diese Welt ist wirklich faszinierend, auch wenn man nur ein Zuschauer bleibt, weil die Figuren nur Figuren bleiben.
Wie Schach. Aber ganz anders.

Lillesang – Nina Blazon lässt mich gruseln

Es begann ganz unschuldig. Franzi wollte nur mal schnell einige Seiten lesen, bevor sie in das Land der Träume glitt.
Tja, da hat wer die Rechnung ohne Nina Blazon gemacht.

Hier eine kurze Zusammenfassung:91DuhwVJIAL._SL1500_

Jolanda, genannt Jo, ist ein elfjähriges Mädchen, das es immer schafft, irgendwie in Schwierigkeiten zu kommen. Ihre Mutter ist einer dieser mysteriösen Helikopter-Eltern, die Jo davor bewahren möchte, irgendwie in die Nähe des Wassers zu gehen. Nur weil ihr liebenswerter Nerd-Vater (ihre eigene Bezeichnung) ihr das Recht im Verein zu schwimmen erkämpft hat, kommt sie überhaupt in Berührung damit.

Eines schönen Tages bekommt die Familie einen Anruf aus Dänemark. In einer kleinen Stadt in der Nähe von Kopenhagen ist Inges Tante (Inge = Mutter von Jo) verstorben und die Familie fährt zum ersten Mal an die See. Während Inge am liebsten das Flugzeug in die Luft gesprengt hätte, damit ihr Jo und ihr Mann ihr nicht folgen können, stößt Jo in Dänemark bald auf ein Rätsel nach dem anderen.

Warum kann Inge dänisch? Was sind das für Gruselgeschichten von Toten, die aus dem Meer steigen? Warum verschwinden manchmal Kinder? Und wer ist diese alte Frau namens Bente, die sich bei ihrer Mutter einschleimt? Fragen über Fragen und ich garantiere, dass 80% des Buches immer wieder neue Fragen aufwerfen.

Das Buch umfasst 417 Seiten und ich möchte eine ernstgemeinte Warnung aussprechen, an alle die das Buch nach halb 12 Uhr Nachts anfangen wollten. Tut es nicht. Denn wenn ihr einmal angefangen habt, kommt ihr davon nicht mehr los!

Und?

Das Buch habe ich um halb drei Uhr früh ausgelesen, zwischen drei oder vier Müdigkeitsanfällen, aber kaum war ich wieder imstande meine Augen auch nur einen Spalt weit aufzukriegen, wurde weiter gesuchtet. Dieses Buch ist wie Heroin für Drogensüchtige.tempx_kopenha_nixe_g

Rechts, die kleine Meerjungfrau in Kopenhagen

Auch wenn man zuerst von dem Alter der Protagonisten abgeschreckt ist (Ich bin neunzehn Jahre alt, wie soll ich mich denn bitte mit einer elfjährigen identifizieren?), tut das dem Buch keinen Abbruch.
Am Anfang muss man sich wirklich darauf einlassen, sonst klappt das nicht. Aber spätestens wenn die Familie Schmidt in Dänemark ankommt, steht die Welt Kopf. Dieses Buch ist so unglaublich vertrackt und gemein, weil ich zwar hundertausend Ideen hatte, aber erst kurz vor dem Ende auf die “Lösung” kam. Also hat Nina Blazon wieder mal alles richtig gemacht!
Man kriegt ein winziges Puzzlestück (von einem 1000er Puzzle, wohlgemerkt) nach dem anderen präsentiert und schiebt Teile ineinander, die überhaupt nicht ineinander passen. Aber es macht so viel Spaß, weil man genau auf dem gleichen Stand wie Jo ist. Sie ist schlau und knüpft genau so schnell Ereignisse zusammen wie der Leser und man ist genau so hin und her gerissen und weiß nicht mehr was Wahrheit und was Lüge ist.

Also eine klare Empfehlung! Wunderbar spannend geschrieben, habe mich zugegeben auch ein wenig gegruselt und konnte am Ende beruhigt einschlafen. Naja, einigermaßen. Denn irgendwo da draußen lauert das nächste Buch, das mir den Schlaf rauben will.

Warum alle den verrückten Hutmacher lieben

Alice in Wonderland ist ein wunderschöner Film wer hier anderer Meinung ist, möge sich diesem Beitrag mit gerümpfter Nase abwenden, denn jetzt folgt die äußerst subjektive Darstellung dieses Meisterwerks meinerseits.
Warum ist dem so? Ja, klar, die Effekte sind hinreißen, die Animation von dieser wunderschönen Welt, dem Bandersnatch, dem Jabbawockee, Absolem und natürlich Dideldum und Dideldei nahezu perfekt, und die Charaktere wecken den Wunsch selbst einmal so zu sein Achtung! Subjektives Empfinden!.

Dabei muss man zugeben, dass der verrückte Hutmacher der beliebteste aller beliebten Lieblinge ist. Warum eigentlich?

Es ist der Hut. Eindeutig. Jeder der ihn sieht, verfällt in das Muster der Grinsekatze (ein ebenfalls faszinierender Charakter. Die Augen leuchten. Einfach deswegen. Ups, ich schweife ab.) Mein dummes Hirn schreit “Haben will”, in der Hoffnung, dass ma196062749_790941d016n ihn sich aufsetzt und sich in eine Wunderland wiederfindet und vielleicht selbst einmal so verrückt sein kann wie der Hutmacher.

Ich meine, wer hat denn bitte diese Freiheit einfach urplötzlich aus dem Nichts wütend zu werden, abzudrehen, seltsame Dinge zu tun? Genau. Niemand. Vielleicht Putin, aber das ist wieder eine andere Geschichte.
 Wie wunderbar muss das sein, wenn alles mit einem weisen Lächeln abgetan werden kann, während die Leute zueinander sagen: “Ach, das ist wieder mal der verrückte Hutmacher!”
Klingt viel besser als “Na, die hat aber mal wieder nicht mehr alle Henkel an den Tassen!”

Außerdem kann er alles. Tanzen, Kämpfen, Hüte machen, Geschichten erzählen, Heldinnen helfen, dem Tod entrinnen und so weiter. Was kann man selbst? Im Kinosessel unruhig hin und her rutschen weil man das mal selbst erleben will.

Zu meiner unglaublichen Schande muss ich gestehen, dass ich das Buch noch immer nicht gelesen habe. Aber ich gelobe feierlich, das umgehend nachzuholen. Morgen steht ja eine aufregende IRONIE Sbahn-Fahrt an. Die kann man dann bestimmt mit verrückten Gedanken aus verrückten Büchern füllen.

Nur eins noch. 6a00d8341c630a53ef0120a928a6f5970b-600wi
Ich wäre ganz bestimmt nicht aus Wunderland nachhause gegangen. Ich hätte einfach jeden nach Wunderland geholt.
So ‘ne Teeparty ist doch etwas Feines. Ich mag sowieso keinen Kaffee.